(5) Weltwissen im Wandel


Im 16. Jahrhundert wandeltr sich das Wissen von der Welt. Kopernikus legtr überzeugend dar, dass die Sonne der Mittelpunkt ist. Maßgeblichen Einfluss an der Verbreitung hatte sein Schüler: Georg Joachim Rheticus (1514–1574). 

Er wurde in Feldkirch (Vorarlberg) geboren, seine Eltern waren italienischer Abstammung. Sein Vater Georg Iserin(g) war Stadtarzt und als Dolmetscher und Astrologe und Wahrsager tätig. 1528 wurde sein Vater wegen Betruges zum Tode verurteilt. Obwohl die Gerichtsakten nicht mehr auffindbar sind, lässt sich vermuten, dass der Vater Opfer einer Intrige wurde. Seine Ehefrau Thomasina de Porris konnte ihn auch mit viel Geld nicht retten. Nach dem Tod des Vaters nahm Georg Joachim den Mädchennamen seiner Mutter, de Porris an, der mit „Lauch“ oder „von Lauchen“ übersetzt werden kann. 

Georg Rheticus wurde zunächst von seinem Vater unterrichtet, ehe er an die Lateinschule in Feldkirch kam. Im Jahr 1428 ging er nach der Hinrichtung seines Vaters an die Frauenmünsterschule in Zürich. Die Stadt war zu der Zeit von den reformatorischen Gedanken Zwinglis geprägt. In Zürich fand Georg Joachim in dem späteren Naturforscher und Altphilologen Konrad Gesner (1516– 1565) einen lebenslangen Freund. In humanistischer Tradition änderte Georg Joachim seinen Nachnamen. Künftig nannte er sich „Rheticus“, also: „der aus Rätien stammt“.


Einen starken Eindruck hinterließ eine Begegnung mit dem Arzt und  Alchimisten Theophrastus Bombast von Hohenheim, genannt Paracelsus (1493–1541), den Rheticus 1532 traf. Der neue Stadtarzt von Feldkirch Achilles Pirmin Gasser ermunterte Rheticus, sich mit Mathematik und Astronomie zu beschäftigen.

Auf Vermittlung des Gelehrten Achilles Pirmin Gasser konnte Rheticus ein Studium in Wittenberg beginnen. Er immatrikulierte sich unter dem Namen Georgius Joachimus de Porris Feldkirch. Philipp Melanchthon unterstützte Rheticus und förderte die mathematische Forschung an der Universität. 

Zu Rheticus’ Lehrern gehörte Johannes Volmar (+ 1536). Dieser hatte ebenfalls in Wittenberg studiert. Nach einem kurzen Aufenthalt in Leipzig wurde er in Wittenberg Professor für Höhere Mathematik. Im Jahr 1536 promovierte Rheticus in Wittenberg zum Magister Artium. In seiner Disputation behandelte er die Frage, ob astrologische Vorhersagen nach römischem Recht verboten seien (Quaestio an leges damnent praedicationes astrologicas). Mit 22 Jahren wurde er Professor für Niedere Mathematik. In diesem Zusammenhang erfuhr er zum ersten Mal von der Lehre des Kopernikus. Diese kursierte zu dieser Zeit nur in wenigen Handschriften. 

1539 trat Rheticus eine Reise zu Nikolaus Kopernikus nach Frauenberg in Ostpreußen an. Dort blieb er mit kurzen Unterbrechungen fast zweieinhalb Jahre. 1540 veröffentlichte Rheticus in Danzig mit der Narratio prima einen ersten Bericht über das Weltbild des Kopernikus. Rheticus hatte mit seinem Werk großen Erfolg. Das ermutigte Kopernikus, sein Hauptwerk über die neue Himmelstheorie zu beenden.

Autor
Nicolaus Copernicus
De revolutionibus orbium coelestium
Ort und Jahr
Basel 1566
Material
Papier
Signatur
RFB, PS, 2° NW 13
VD-Nummer
VD16 K 2100
Druckwerkstatt
Heinrich Petri
Format und Umfang
[6], 213, [1] Bl.

Bezug zu anderen Werken