Nicht ein Genius allein – Das Septembertestament von 1522

18. Aug. -
18. Nov.
2022

Nicht ein Genius allein – Das Septembertestament von 1522

Kabinettausstellung
RFB, Schloss Wittenberg
Luthers Übertragung der Offenbarung wurden 21 Holzschnitte von Lucas Cranach d. Ä. beigegeben, die sicherlich den Verkaufserfolg förderten. Hier dargestellt wird der dramatische Kampf gegen einen siebenköpfigen Drachen mit zehn Hörnern (Apk. 12, 3f.)
© RFB PS B I 7

Eine Ausstellung zum 500-jährigen Jubiläum der ersten Luther-Bibel

Im Jahr 1522 brachte Martin Luther von der Wartburg seine Übersetzung des Neuen Testamentes in das Frühneuhochdeutsche mit nach Wittenberg. In nur 11 Wochen soll diese Rohfassung entstanden sein. In Wittenberg wurde sie im Austausch mit Freunden und Kollegen weiter verbessert und im Sommer des Jahres bei Melchior Lotter d. J. gedruckt. Wenige Tage vor der Leipziger Messe, die am 29. September 1522 begann, lag die erste Auflage vor. Das Unternehmen entwickelte sich rasch theologisch, kirchenpolitisch und wirtschaftlich zu einem großen Erfolg. Aber als noch größer erwies sich die langfristige sprach- und kulturhistorische Wirkung: Ohne die Wittenberger Bibelübertragung, die im Septembertestament von 1522 ihren Anfang nahm, hätte die Entwicklung der deutschen Sprache und Kultur einen deutlich anderen Verlauf genommen.

Die Ausstellung zeigt die Entstehung und Verbreitung des Septembertestamentes eingebunden in die stark humanistisch geprägte europäische Bibelbewegung des 15. und 16. Jahrhunderts. Ohne die Leistungen Luthers zu schmälern, lässt sie auch Wegbereiter, Mitstreiter und Gegner, die wiederum auf das Werk zurückwirkten, sichtbar werden. Nicht ein Genius allein, sondern das Zusammenwirken verschiedener Köpfe in einer besonderen kulturellen und politischen Situation ließ ein Werk von herausragender und lang anhaltender Bedeutung entstehen.

In der Ausstellung werden nicht nur ein Original des Septembertestamentes von 1522 zu sehen sein, sondern darüber hinaus zahlreiche frühere und spätere Bibeldrucke, zudem einige Werke, die den Wittenberger Bibelübersetzern als Impulsgeber und Arbeitsinstrumente dienten.

Entwickelt wurde die Ausstellung als Kooperation der Reformationsgeschichtlichen Forschungsbibliothek mit der Europäischen Melanchthon-Akademie Bretten.