Besitz und Gebrauch - Bücher in bürgerlicher Hand

02
-
03
Dez.
2021

Besitz und Gebrauch - Bücher in bürgerlicher Hand

Tagung
Stiftung Leucorea, Auditorium maximum
Aufgeklebtes Wappen des Seidenstickers Hans Plock auf einem Bucheinband (Mitte 16. Jhd.)
© RFB PS LC 538

Die Frage nach der Erschließung von Büchern in ihrem Benutzungskontext in der Frühen Neuzeit wird gegenwärtig intensiv diskutiert. Der Blick richtet sich dabei u. a. auf Kulturen des Sammelns (etwa private Bibliotheken oder Archive), auf Praktiken des Lesens und Annotierens oder auf methodische Wege der Erschließung und Analyse von textlichen Artefakten im Sinne von “Buchbiographien”. Der Workshop knüpft an eine Tagung des Jahres 2019 im Stadtmuseum Berlin an, die dem ursprünglich aus Mainz stammenden, viele Jahre in Halle (Saale) lebenden Seidensticker Hans Plock (ca. 1490-1570) und dessen Buchbesitz gewidmet war. Der Luxushandwerker Plock setzte sich insbesondere in der von ihm annotierten und collagenhaft bebilderten Lutherbibel (1541) intensiv mit theologischen, politischen und anderen Aspekten der Reformationszeit auseinander. Aber auch in einer Sensenschmidt-Bibel und einem Sammelband mit reformatorischen Flugschriften hat Plock Spuren hinterlassen. Der Wittenberger Workshop weitet nun die Perspektive, indem bürgerlicher Buchbesitz und Buchgebrauch vom 15. bis 17. Jahrhundert systematischer und vergleichend in den Blick genommen werden soll.

Neben kirchlichen Institutionen und Angehörigen des Adels waren es insbesondere wohlhabende und gebildete Bürgerinnen und Bürger, die Bücher erwarben, einige von ihnen bauten sogar größere Büchersammlungen auf. Das Spektrum reicht hier von Gelehrten über städtische Führungsgruppen bis hin zu Handwerkern, Händlern und Gewerbetreibende. Funktion und Stellenwert des Buchbesitzes in bürgerlicher Hand variierten allerdings in den unterschiedlichen sozialen, politischen und kulturellen Kontexten. Die Vermutung liegt nah, dass dies auch Auswirkungen auf den Umgang mit Büchern zeitigte. Wie wurde mit dem Objekt "Buch" umgegangen? Bedeutete Buchbesitz auch Buchlektüre? Wie sah die Praxis des Lesens in den verschiedenen bürgerlichen Milieus aus? Was war wichtig, was wurde wie verstanden und vielleicht auch weitergegeben? Lassen sich Unterschiede zwischen männlichem und weiblichem Buchbesitz und Buchgebrauch bestimmen, wie kann bürgerlicher von adeligem oder geistlichem Umgang mit Büchern abgegrenzt werden?

Diesen Fragen geht der Workshop in einem interdisziplinären Zugriff nach, wobei insbesondere den Gebrauchsspuren Aufmerksamkeit zukommen soll: Randnotizen, Zeichen und Zeichnungen, hinzugefügte Bilder und Wappen, An- und Unterstreichungen gelten als Formen der Aneignung von Büchern und deren Inhalten, aber auch als Austausch, in dem Besitzerinnen und Besitzer in den Dialog sowohl mit Autorinnen und Autoren als auch mit den Büchern als Objekte treten.

Für die Teilnahme an diesem Workshop ist es nicht notwendig, die 2019 im Stadtmuseum Berlin ausgerichtete Veranstaltung über Hans Plock verfolgt zu haben. Sofern die Entwicklung der Corona-Pandemie im Dezember 2021 eine Durchführung des Workshops mit Realpräsenz in der Lutherstadt Wittenberg nicht zulässt, wird die Veranstaltung als Online-Tagung stattfinden. Um Anmeldung wird gebeten.

Leitung:
Prof. Dr. Claudine Moulin (Trier)
Dr. Matthias Meinhardt (Lutherstadt Wittenberg)

Ein Programm des Workshops wird in Kürze zum Download angeboten.

Um Anmeldung wird gebeten.