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Die Reformationsgeschichtliche Forschungsbibliothek verfügt über einen Bestand von ca. 220.000 Bänden, ca. 100.000 Titel gehören zum historischen Buchbestand, sind also vor 1850 entstanden.

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Die Reformationsgeschichtliche Forschungsbibliothek ist Teil der internationalen Wissenschafts- und Bibliothekslandschaft. Sie pflegt auf unterschiedlichen Ebenen Kontakte und kooperiert mit einer Reihe von Institutionen.

Auf dieser Seite finden Sie Links zu Websites wichtiger Einrichtungen der Reformations- und Kirchengeschichtsforschung sowie zu Bibliotheken mit umfangreichen reformationshistorischen Beständen. Eine solche Liste kann weder vollständig noch abgeschlossen sein. Die Auswahl möchte lediglich Ansatzpunkte für weitere Recherchen anbieten.

Schloss Wittenberg

Schloss Wittenberg


Die Reformationsgeschichtliche Forschungsbibliothek befindet sich im Schloss Wittenberg, auf zwei Etagen stehen ihr rund 1.800 m² zur Verfügung. In den Jahren 2013-2017 wurde das Schloss von Grund auf saniert und für neue Nutzungszwecke hergerichtet. Das Land Sachsen-Anhalt, die Evangelische Kirche in Deutschland und die Lutherstadt Wittenberg haben dabei zusammengewirkt.

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Schloss und Schlosskirche Wittenberg 2018

Mit Sanierung und Umbau der Schlosskirche und des Schlosses ist ein neues Zentrum für Wissenschaft, Kultur, Ausbildung und kirchliches Lebens am westlichen Eingang in die Wittenberger Altstadt entstanden. In enger Nachbarschaft arbeiten hier die Reformationsgeschichtliche Forschungsbibliothek, das Evangelische Predigerseminar Wittenberg, die Stiftung Christliche Kunst und das Besucherzentrum der Schlosskirche. Als UNESCO-Weltkulturerbe stellt die Schlosskirche mit den Begräbnisstätten Martin Luthers und Philipp Melanchthons sowie der Tür des Thesenanschlages von 1517 einen touristischen Anziehungspunkt dar. Dem Evangelischen Predigerseminar dient das Gotteshaus als Ausbildungskirche, gemeinsam mit der Schlosskirchengemeinde und unterstützt von der Evangelischen Wittenbergstiftung entfaltet es hier ein facettenreiches kirchengemeindliches und kulturelles Leben.

Kurf. Friedrich der Weise (1463-1525)

Von der mittelalterlichen Burg zum Renaissanceschloss

Das Gebäudeensemble aus Schloss und Schlosskirche ist auf das Engste verknüpft mit der mitteldeutschen Fürstengeschichte, der Universitätsgeschichte, der Geschichte der Stadt Wittenberg und der lutherischen Reformation. Entstanden ist das Schloss auf dem Grund einer Burganlage der Askanier, deren sachsen-wittenbergische Linie den Ort seit dem 13. Jahrhundert als Herrschaftsmittelpunkt nutzte. Nachdem diese Dynastie 1422 im Mannesstamm ausgestorben war, gingen die Burg Wittenberg und der sächsische Kurkreis, mit dem die Kurwürde verbunden war, 1423 an die Wettiner über.

Als sich dieses Adelsgeschlecht mit der Leipziger Teilung von 1485 in die Hauptlinien der Ernestiner und der Albertiner aufspaltete, rückte Wittenberg verstärkt in das Zentrum fürstlichen Interesses. Friedrich III., gen. Friedrich der Weise (1463-1525), seit 1486 Erbe der ernestinischen Herrschaftsgebiete, ließ Wittenberg in den Jahren um 1500 ausbauen. Die askanische Burg wurde dafür weitgehend abgetragen und von 1489 bis 1508 durch ein neues, drei Stockwerke aufragendes und mit zwei Türmen versehenes Hauptschloss ersetzt. Von 1496-1509 errichtete man eine prachtvolle Schlosskirche, an der das Allerheiligenstift und eine große Reliquiensammlung angesiedelt wurden. Von 1515-1525 entstand an der Ostseite des Schlossareals ein Vorschloss. Neben den fürstlichen Wohn- und Arbeitsräumen sowie den für die Hofhaltung erforderlichen Wirtschaftsgebäuden beherbergte die komplexe Anlage auch die kurfürstliche Hofbibliothek

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Stadtansicht Wittenbergs aus den Reisebildern des Pfalzgrafen Ottheinrich aus den Jahren 1536/37
© Universitätsbibliothek Würzburg

Universität und Reformation

Im Jahr 1502 begründeten die Ernestiner mit der Leucorea eine Universität, in der Nachwuchs vor allem für die Landesverwaltung, Schulen und Kirchen der ernestinischen Herrschaftsgebiete ausgebildet werden sollte. Die Schlosskirche wurde Universitätskirche. Georg Spalatin (1484-1545), Hofkaplan und enger Vertrauter Friedrichs des Weisen, baute die zunächst recht bescheidene Schlossbibliothek zur ersten Wittenberger Hof- und Universitätsbibliothek aus. Das Schloss wurde mehr und mehr zum Prinzenhof und zur akademischen Ausbildungsstätte adeligen Nachwuchses. Im Zusammenspiel von kurfürstlicher Residenzbildung und Entfaltung universitären Lebens bildeten sich das soziale Milieu, die kulturellen Voraussetzungen und die politischen Konstellationen, in denen die Reformgedanken Martin Luthers und seiner Mitstreiter sich zu einer überregionalen und langfristig wirksamen reformatorischen Bewegung entwickeln konnten. Wittenberg wurde zu einem geistig-politischen Zentrum, das Studenten aus ganz Europa anzog.

Georg Spalatin (1484-1545)
© bpk/Museum der bildenden Künste, Leipzig/Bertram Kober (Punctum Leipzig)
Moritzmonument in Dresden (1555) – Moritz von Sachsen übergibt seinem Bruder August das von den Ernestinern errungene Kurschwert
© Kolossos

Übernahme durch die Albertiner

Nach dem Sieg des kaiserlichen Heeres über die Truppen des Schmalkaldischen Bundes in der Schlacht bei Mühlberg verloren die Ernestiner die sächsische Kurwürde und den Kurkreis mit Wittenberg 1547 an die verfeindeten Vettern der albertinischen Linie der Wettiner. Die ernestinische Hof- und Universitätsbibliothek wurde zunächst nach Weimar, später nach Jena verbracht. Für den akademischen Lehrbetrieb baute man im Schloss eine neue Universitätsbibliothek auf, die nach Fertigstellung des Augusteums 1598 an das östliche Ende der Altstadt umzog. Im Gefüge der albertinischen Herrschaftsgebiete und Residenzen verlor Wittenberg unter den Albertinern erheblich an Bedeutung, Hofhaltung fand in Wittenberg immer seltener statt. Nach dem Dreißigjährigen Krieg diente das Schloss meist nur noch als Verwaltungssitz. Allerdings blieb Wittenberg als Ort, an dem die Kurwürde hing, politisch und als Universitätsstandort auch kulturell von Gewicht.

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Beschießung Wittenbergs im Siebenjährigen Krieg

Kriegszerstörungen und militärische Zwecke

Im Siebenjährigen Krieg wurde das kursächsische Wittenberg von den Preußen besetzt und 1760 mit einem Bombardement des Reichsheeres belegt. Schloss und Schlosskirche wurden dabei stark beschädigt. Nur notdürftig stellte man danach Teile der Gebäude für Verwaltungszwecke und als Kornspeicher wieder her. Während der Befreiungskriege zogen sich französische Truppen nach Wittenberg zurück und wurden dort 1814 von Truppen des antinapoleonischen Militärbündnisses unter Beschuss genommen. Das Wittenberger Schloss brannte erneut aus. Auf dem Wiener Kongress sprach man den sächsischen Kurkreis mit Wittenberg Preußen zu. Die Leucorea wurde mit der Universität in Halle vereinigt, der Standort Wittenberg aufgegeben. Das zerstörte Schloss wurde vom preußischen Militärfiskus übernommen und als Zitadelle aufgebaut. Die historischen Baustrukturen wurden dabei teils beseitigt, teils stark verändert.

Schloss Wittenberg, vor der Sanierung ab 2013
© Thomas Klitzsch

Zivile Nutzungen

Nach dem Ersten Weltkrieg fanden sich neue, nunmehr zivile Nutzungen für das Schloss: Das Stadtarchiv zog hier ein, auch wurden Wohnungen und eine Jugendherberge eingerichtet. In den Jahren 1949 bis 2011 war im Schloss zudem das „Museum für Natur- und Völkerkunde Julius Riemer“ untergebracht. Als im Zuge der Vorbereitungen auf das Reformationsjubiläum 2017 beschlossen wurde, dass Areal um die Schlosskirche und das Schloss umfassend zu sanieren, entwickelte man auch ein neues Nutzungskonzept, das auf die breitere kulturtouristische Erschließung und eine Vitalisierung des ganzen Quartiers zielt.