Dem Virus zum Trotz: RFB vergibt auch 2020 Forschungsstipendien

Dem Virus zum Trotz: RFB vergibt auch 2020 Forschungsstipendien


Stipendiaten des Jahres 2020: Der Historiker Adrian Grave (Halle (Saale)) und der Theologe Dr. John Ashley Null (Oxford).
© RFB

Die Reformationsgeschichtliche Forschungsbibliothek unterstützt in der zweiten Jahreshälfte 2020 wissenschaftliche Studien zur Reformation und zur Geschichte der Wittenberger Universität. Ermöglicht wird ihr dies durch eine Förderung der Evangelischen Wittenbergstiftung. Es konnten drei Kurzzeitstipendien vergeben werden: Bereits ihre Forschungen aufgenommen haben der Kirchenhistoriker Dr. John Ashley Null, der aus Kentucky (USA) stammt, jedoch bereits seit einigen Jahren in Oxford forscht, und der Historiker und Latinist Adrian Grave aus Halle (Saale). Null ediert die Werke des Erzbischofs von Canterbury, Thomas Cranmer (1489-1556), und untersucht derzeit den Einfluss der Wittenberger Reformatoren auf die Theologie und Kirchenpolitik des englischen Reformators. Der bislang kaum erforschten Spätzeit der Theologischen Fakultät der Universität Wittenberg im 18. Jahrhundert ist Graves Doktorarbeit gewidmet. Im Oktober wird die Germanistin Carolin Geib, die an der Universität Trier arbeitet, nach Wittenberg kommen, um Studien für ihre Doktorarbeit über den Seidensticker Hans Plock (ca. 1490-1570) durchzuführen. Plock arbeitete zunächst als Luxushandwerker für Kardinal Albrecht von Brandenburg, wandte sich jedoch der Reformation zu und rückte damit von seinem fürstlichen Auftraggeber ab. Aus Plocks privaten Besitz sind drei wertvolle Bücher erhalten, die tiefe Einblicke in seine intensive Auseinandersetzung mit der Reformation geben und von denen eines in der Reformationsgeschichtlichen Forschungsbibliothek aufbewahrt wird.

Die Vergabe der Stipendien hat sich in diesem Jahr durch die Corona-Pandemie um mehrere Monate verzögert. Der Leiter der Forschungsbibliothek, Dr. Matthias Meinhardt, zeigt sich erleichtert, dass es ungeachtet der erschwerten Bedingungen und zeitweiliger Schließung aller Bibliotheken im Land gelungen ist, das 2019 begonnene Stipendienprogramm auch in diesem Jahr fortzuschreiben. Ziel der Stipendien ist es, die wissenschaftliche Nutzung des historischen Bestandes der RFB zu fördern. Hierzu gehören ca. 100.000 alte Drucke, eine Handschriftensammlung sowie archivalische Überlieferung.